Rückblick auf die Saison von Juliette Fournier, alpine Skirennfahrerin


23/05/2024

In diesem Interview lässt Juliette Fournier, eine der Preisträgerinnen der Affidea Sport Academy, die Ergebnisse und die Organisation ihrer jüngsten Sportsaison Revue passieren und gewährt Einblick in ihren Tagesablauf zwischen Sport und Schule.

Wie war deine Sportsaison alles in allem?

Meine Saison verlief im Allgemeinen recht gut, natürlich mit Höhen und Tiefen. Meine Bestzeiten bin ich fast alle zu Saisonbeginn gefahren; das war in den vergangenen Jahren auch schon oft so.

 

Welche Ziele hattest du?

Bei meinem ersten Jahr auf FIS-Niveau wollte ich hauptsächlich die neue Rennserie kennenlernen, mich zurechtfinden und meine Punkte in jeder einzelnen Disziplin so weit wie möglich drücken. Da die Startnummern sowie die Auswahlkriterien für die SwissSki-Kader an die Punkte gebunden sind, ist es entscheidend, sie so weit wie möglich herunterzuschrauben. Schon im ersten Jahr ausgewählt zu werden wäre genial gewesen, aber das hat nicht geklappt und kommt auch eher selten vor. Man muss wissen, wenn man bereits im ersten Jahr für SwissSki ausgewählt werden möchte, dass die Jury die Athleten nominiert und ihr Ergebnis ohne Begründung bekannt gibt. Voraussetzung ist Platz 1 oder 2 beim SwissCup (1. und 2. FIS-Jahr) und/oder einen Platz zu haben, der einer Punktesumme unter 500 entspricht.

Laut meinen Trainern kann ich mit diesem ersten Jahr zufrieden sein, und ich bin es auch, denn für eine Einsteigerin habe ich meine Saison mit sehr guten Punkten abgeschlossen.

 

An welchen Meisterschaften oder Wettkämpfen hast du teilgenommen? Warst du auch außerhalb der Schweiz?

Ich habe diese Saison 47 Starts absolviert, das sind mehr als doppelt so viele wie in den Vorjahren. Alle Wettkämpfe waren FIS-Rennen, die in der Schweiz, in Frankreich und in Italien stattfanden. Viele dieser Rennen gehörten zur Serie nationaler Meisterschaften: die Meisterschaften von Frankreich, Luxemburg, Belgien und Dänemark, die alle in Frankreich ausgerichtet wurden. Außerdem habe ich an den Schweizer Juniorenmeisterschaften für Technik- und Geschwindigkeitsdisziplinen teilgenommen, sowie an den Schweizer Elite-Abfahrtsmeisterschaften.

 

Hast du ein Lieblingsrennen und weshalb?

Ich glaube, am besten gefallen mir die nationalen Elite-Meisterschaften. Obwohl es schwierig ist, dort gute Ergebnisse zu erzielen, kann ich mich mit den besten Weltcup-Skifahrerinnen vergleichen und das ist schon eine tolle Erfahrung.

 

Welche Erfolge hast du in den einzelnen Disziplinen eingefahren? 

Bei meinen 47 Starts habe ich es in 23% der Fälle unter die Top10 und bei den U18-Rennen in 64% der Fälle unter die Top10 geschafft. Bei der Wertung des Schweizer U18-Cups wurde ich Siebte (von 54) und im Jahrgang 2007 bin ich auf den 2. Platz gefahren. Ein Rennen habe ich sogar gewonnen. Die 11 Siege verteilen sich auf 7 Skifahrerinnen, zu denen ich gehöre. Ich wurde darüber hinaus Schweizer Vizemeisterin im GS U18 und habe den 4. Platz bei den Schweizer GS U21-Meisterschaften belegt.

 

Welche Herausforderungen hattest du in dieser Saison zu bewältigen?

Größte Herausforderung war die Organisation. Wettkämpfe und Schule unter einen Hut zu bringen war wirklich schwierig und ich muss lernen, die damit verbundene mentale Belastung zu managen. Bei so vielen Rennen blieb während der Saison nur sehr wenig Zeit für das Training, was ziemlich frustrierend sein kann, wenn man gerne auch an technischen Elementen arbeiten würde.

 

Wie gehst du mit körperlicher und mentaler Belastung um?

Ich habe unter anderem gelernt, wie wichtig das Mentale ist und welchen Stellenwert es hat. Mit Siegen, Niederlagen und Frustration umzugehen erfordert Kompetenz. Ich glaube, dass ich in dieser Beziehung noch viel lernen muss und das muss ich unbedingt berücksichtigen.

 

Was hat sich dieses Jahr im Vergleich zum letzten verändert?

Nachdem ich an doppelt so vielen Rennen teilgenommen habe wie letztes Jahr, war es enorm wichtig, die Erholungsphase zwischen den Wettbewerben so weit wie möglich zu optimieren. Bei so vielen Starts waren während der Saison auch viel weniger Trainingseinheiten auf Skiern möglich.

 

Hast du körperlich anders trainiert als in den letzten Jahren?

Ja, mein physisches Training hat sich im Vergleich zum letzten Jahr stark verändert. Außerhalb der Saison trainiere ich durchschnittlich sechs Mal pro Woche und die Einheiten sind mehr auf alpine Skirennen ausgerichtet sowie länger und anspruchsvoller.

 

Wie sorgst du für ausreichend Schlaf?

Ich achte auf meine Schlafzeiten und eine ausreichende Schlafdauer, vor allem während der Wettkämpfe und an Trainingstagen, damit ich am nächsten Morgen in bestmöglicher Form bin.

 

Wie sieht deine typische Woche während der Wintersaison aus?

Meine Rennen finden meistens unter der Woche statt. Sehr häufig gibt in den technischen Disziplinen zwei aufeinander folgende Renntage und in den Geschwindigkeitswettkämpfen zwei oder mehr, weil noch offizielle Trainings stattfinden. Meistens reisen wir zwei Tage vorher an, damit wir trainieren und uns mit der Piste am Rennort vertraut machen können. Nach den Rennen fahren wir mit dem Tourbus so schnell wie möglich ins Wallis zurück, um am nächsten Tag wieder in die Schule gehen zu können, wenn das möglich ist. Wir nutzen also die Wochenenden, um uns auszuruhen und den versäumten Unterricht nachzuholen.

 

Wie sieht dein typischer Renntag aus?

Steht ein technisches Rennen an, stehe ich gegen 6.30 Uhr auf, frühstücke und mache mich bereit. Zwischen 7.30 und 8 Uhr erreichen wir mit unseren Taschen und zwei Paar Ski die Kabinen. Nach dem Aufwärmen erkunden wir die erste Strecke und gegen 9.30 Uhr beginnt der erste Durchgang. Dann essen wir eine Kleinigkeit und erkunden die zweite Strecke vor dem zweiten Durchgang, der in der Regel zwischen 11.30 und 12 Uhr stattfindet. Anschließend kehren wir ins Hotel zurück und halten eine halbe Stunde oder eine Stunde Mittagsschlaf. Danach kümmern wir uns um das Schleifen und Wachsen unserer Ski, bevor wir laufen gehen oder anderweitig trainieren. Nach der Rückkehr schleife ich meine Ski ab, beende die Präparierung und mache gegen 18 Uhr mit meinen Trainern eine Videoanalyse meiner Durchgänge. Zum Schluss gibt es Abendessen und wir gehen schlafen.

 

Wie ist die Stimmung in deinem Team bei den Wettkämpfen?

Die Stimmung im Team ist wirklich super, alle schätzen sich. Beim Wettkampf helfen wir uns oft gegenseitig, beispielsweise beim Memorieren der Schlüsselstellen einer Strecke, aber wir respektieren dennoch unsere jeweiligen Konzentrationsphasen vor dem Start. Mit vielen Mädchen verstehe ich mich gut und wir stehen auch außerhalb regelmäßig in Kontakt.