Affidea Sport Academy - Rückblick auf die Saison 24/25 von Juliette Fournier, alpine Skirennfahrerin
In diesem Interview reflektiert Juliette Fournier, eine der Gewinnerinnen der Affidea Sport Academy, ihre Saison, die von einer Knieverletzung geprägt war, ihr Training zwischen den Saisons und ihre Aufnahme in den C-Kader von SwissSki.
Saison Rückblick
Wie würdest du deine gerade beendete Saison beschreiben?
Ich habe Höhen erlebt mit tollen Leistungen und vielen Premieren, wie der Teilnahme am Europäischen Olympischen Jugendfestival, einem ersten Start im Europacup, dem ersten FIS-Podium, einem ersten FIS-Sieg und einem ersten Top‑10‑Resultat bei den Schweizer Elite-Meisterschaften. Aber es gab auch Tiefs, insbesondere eine Verletzung zu Beginn der Saison. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Saison, die mit meiner Aufnahme in die Kader von SwissSki endete.
Was waren die Höhepunkte der Saison?
Einer der stärksten Momente war die Teilnahme am Europäischen Olympischen Jugendfestival in Georgien. Ich konnte mich mit den besten Mädchen meines Alters aus ganz Europa messen. Auch wenn ich nicht Leistung gebracht habe wie erhofft und knapp das Podium verpasste, war es eine bereichernde und unvergessliche Erfahrung. Ebenfalls geliebt habe ich meine Teilnahme an den Schweizer Elite-Meisterschaften im Slalom und Riesenslalom, bei denen ich gegen die besten Schweizerinnen antrat. Zwar erwartete ich keine speziellen Resultate gegen Europacup- und Weltcup-Fahrerinnen, doch im Riesenslalom wurde ich Zehnte und im Slalom Vierzehnte – was mich sehr freute.
Gab es besondere Herausforderungen, und wie hast du sie gemeistert?
Anfang Dezember, bei meinem ersten Europacup-Start, habe ich mich am Knie verletzt. Glücklicherweise war es nicht allzu schwerwiegend, und nach sieben langen Wochen Pause konnte ich wieder Skifahren. Viel Physiotherapie und Reha halfen mir, Ende Januar wieder Rennen zu fahren.
Was war dein bestes Ergebnis, und warum ist es besonders?
Mein bestes Ergebnis war mein erster FIS-Sieg in Meiringen. Ich mag diese Strecke sehr, und es war einer meiner ersten grossen Erfolge nach der Verletzung. Aber am meisten hat mich gefreut, dass ich dabei zum ersten Mal 23 FIS-Punkte erreicht habe – das absolute Minimum in solchen Rennen und sehr schwer zu erzielen.
Gab es Rennen, die dich besonders beeindruckt haben?
Das letzte Rennen in Avoriaz in Frankreich hat mich sehr überrascht. Es war das einzige Speed-Rennen der Saison, da ich die anderen wegen meiner Verletzung verpasste und normalerweise eher auf technische Disziplinen fokussiert bin. Ich hatte seit Oktober kein Speedtrainig mehr und erzielte trotzdem Platz 3 in der U18-Kategorie.
Training und Vorbereitung
Wie hast du dich vorbereitet? Hast du dein Training verändert?
Im Sommer haben wir grosse Skiblöcke und natürlich auch physische Trainingscamps organisiert.
Wie sieht typischerweise dein Trainingsprogramm aus?
Wenn ich nicht auf Skiern stehe (Frühling, Sommer, Herbst), trainiere ich fünf- bis siebenmal pro Woche. Die Einheiten variieren je nach Jahreszeit: mal liegt der Fokus auf Kraft, mal auf Intensität. Eine Beispielwoche im Juni:
Mo Morgen: Bein-Explosivität + Core nach der Schule
Di Morgen: Grundlagenausdauer
Mi Nachmittag: Bein-Krafttraining
Do Abend: Oberkörper-Kraft
Fr Nachmittag: weitere Kraftsession (Beine)
Sa: Kombination aus Ausdauer und Core
So: Ruhetag
In der Saison auf den Skiern beginnt der Tag früh: Warm-up erst ohne Ski, dann mit, Pistenbesichtigung, danach ein dreistündiges Schnee-Training.
Welche Trainingsaspekte sind für deine Leistung am wichtigsten?
Die Skitrainings im Sommer und Herbst sind neben dem Krafttraining die wichtigsten. Sie legen das technische Fundament, um später Intensität darauf aufzubauen.
Wie gehst du mit Druck vor wichtigen Rennen um?
Ich bin oft früh am Start, um mich mental vorzubereiten und den Kurs zu visualisieren. Musik im Warm-up hilft mir, mich zu isolieren und den Rhythmus zu finden. Wenn Zweifel auftauchen, frage ich meine Trainer um Rat.
Aufnahme in SwissSki C-Kader
Wie hast du reagiert, als du von der Aufnahme erfahren hast?
Ich war extrem glücklich und erleichtert, denn wegen meiner Verletzung erfolgte die Auswahl über Punkte und nicht über die Swiss Cup-Rangliste, da ich zu viele Rennen verpasste.
Was bedeutet dir die Zugehörigkeit zum C-Kader?
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu meinem Traum.
Welche Ziele hast du für die nächste Saison?
Die Punkte weiter zu senken, neue FIS-Podien zu erreichen und mich im Europacup so gut wie möglich zu integrieren.
Wie beeinflusst das deine Karriere?
Es rückt mich näher an den Spitzenbereich – Europacup und langfristig auch Weltcup.
Zukunft und Ziele
Welche kurz- und langfristigen Ziele verfolgst du?
Kurz- und mittelfristig: Integration in den Europacup. Langfristig: Weltcup und vielleicht eines Tages einen Kristallglobus gewinnen.
Wirst du neue Routinen einführen?
Ja, vieles wird neu: neue Trainer, ein Serviceman, Physiotherapeutin, neue Ausrüstung und Einrichtungen, angepasst an meine Bedürfnisse.
Gibt es besondere Events, auf die du dich freust? Wie stehst du zu den Olympischen Spielen nächstes Jahr?
Es gibt kein fixiertes Ziel, da der Rennkalender noch nicht bekannt ist. Ich freue mich auf die Schweizer Meisterschaften und die Elite-Championnate.
Wie stellst du deine Entwicklung in den kommenden Jahren dar?
Ich hoffe, weiter aufzusteigen – vom C‑ zum B‑ und dann zum A‑Kader – und mich physisch und technisch weiter zu verbessern.
Hast du Vorbilder im Skisport?
Ich bewundere Mikaela Shiffrins Technik und Arbeitsmoral, Marco Odermatts Einsatz sowie Zrinka Ljutics Persönlichkeit, Ambition und Bescheidenheit. Von jedem versuche ich etwas zu lernen und mich inspirieren zu lassen.
